Leben & Wirken
Biographie
Alfred Flury wurde am 16. April 1934 in Wangen bei Olten geboren. Er verlebte eine glückliche Kindheit in seiner Familie, besuchte die Primarschule in Wangen bei Olten und das Gymnasium im Kollegium St. Fidelis in Stans. Im Jahre 1954 schloss Alfred die Mittelschule erfolgreich mit der Maturitätsprüfung ab.
Die Berufswahl war für Alfred Flury nie ein Problem. Schon als kleines Kind gab er auf die landläufige Frage, was er werden wolle, die einfache Antwort: Pfarrer. Sein Theologiestudium am Priesterseminar Luzern trat er mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen an, der genau wusste, was er wollte. Ein ganz zahmer Theologiestudent war Alfred nicht. Sein Interesse für moderne Unterhaltungsmusik machte auch vor den Toren des Priesterseminars nicht halt: ohne Radioempfänger ging bei ihm nichts. Gelegentlich konnte er nicht widerstehen, moderne Melodien auf ehrwürdigen Orgeln vorzutragen, was damals zufällig Lauschende nicht immer freute. Schon als Theologiestudent produzierte er seine erste Schallplatte. Und damit sind wir bei den ungewöhnlich vielen Talenten von Alfred.
Musik
Er lernte Geige spielen. Das war ihm nicht genug. Jedes Musikinstrument, dem er begegnete, zog ihn magisch an, und er entlockte ihm auch sogleich Töne, die sehr rasch zu Melodien wurden.
Geschicklichkeit
Als Bub hatte Alfred Mühe, ein Fahrrad so zu benützen, wie es alle andern Menschen taten: er zog es vor, das Lenkrad mit den Füssen zu bedienen. Wen wundert's, dass er als junger Theologe einem "Magischen Ring" beitrat und mit seinen Kartenkunststücken bald seinen Mitmenschen viel Freude bereitete.
Kunst
Wo ein Stück Papier und ein Bleistift waren, zeichnete Alfred. Später pflegte er den Kontakt mit vielen modernen Künstlern. Er schuf eigene Bilder, Werke, die keine Kunstwerke werden sollten, die spontan entstanden und die Betrachter faszinierten.
Der junge Priester mit den vielen Talenten wurde nach der Weihe Vikar in Grenchen, einem damals wirtschaftlich blühenden Ort mit grossem Wohlstand und vielen Wohlstandsproblemen. Und in diese Probleme stürzte sich Alfred. Er sah nur den Menschen, vorab den jungen Menschen in der modernen Industriegesellschaft. Er sah nur die Probleme, brachte es nicht fertig, katholische Hilfsbedürftige von protestantischen zu unterscheiden und reiche von armen. Er ging zu den Leuten, er liess sie nicht kommen. Er hatte keine Sprechstunden, er hatte Aufgaben.
Nach zwei Jahren riefen ihn die kirchlichen Oberen ans Kollegium St. Michael nach Zug. Man stelle sich vor, wie er mit seinen vielen Talenten und seiner spontanen Art in der damals fast klosterhaften Kollegiumssphäre wirkte. Er gab Religions- und Gesangsunterricht. Er sollte die Jungen mit Liedern vertraut machen, die in einer Zeit geschrieben wurden, die es nicht mehr gab, zu Texten, die anachronistisch waren und Rhythmen, welche die jungen Leute nicht mehr begeisterten. Die Konsequenz: er komponierte und textete eigene Lieder. Es entstanden "Lass die kleinen Dinge", "Ich will an deiner Seite gehn" und viele andere. Es fand sich auch eine grosse Schallplattenfirma, welche Alfreds Lieder produzierte. Und die Leute kauften seine Lieder, sangen sie und brachten ihn in den 60er Jahren in die Hitparaden, zu einer Zeit, als die "Beatles" gross wurden und Sœur Sourire mit dem Lied "Dominique" zu Weltruhm kam.
Alfred Flurys Ausstrahlung im Gespräch, auf der Bühne und in den Medien brachte et-was in Bewegung, was viele konservative Katholiken erschreckte. Er ärgerte sich nicht und er resignierte nicht, wenn sich nach dem Glockengeläute die Kirchenbänke nicht mit denjenigen Menschen füllten, die ihn sehr nötig gehabt hätten: Er ging zu den Menschen und benützte die Medien der Moderne: Radio, Fernsehen und Schallplatten. Ein Pfarrer, der so ist, wie andere Menschen, offen, informiert, klar, deutlich aber kompromisslos in Glaubensfragen, hatte es schwer. "Ist das überhaupt noch ein Priester?" - hörte man viele sagen. Wer ihn kannte, wusste, dass er einer war, und was für einer!
Im Jahre 1967 fand Alfred den Weg ins Elternhaus zurück. Seine Gemeinde wurde fortan das deutschsprachige Europa. Er wurde zum Seelsorger einer Jugend, die mit der Welt der Etablierten nichts mehr anfangen konnte. Aggressionen und Konfrontationen folgten Resignation und auch das Drogenproblem. Als einer der ersten erkannte Kaplan Flury, dass es notwendig war, die Eltern und die Jugendlichen aufzuklären. Er erlebte fortwährend, wie Eltern und Erzieher plötzlich fassungslos mit den Folgen der Droge konfrontiert wurden. Wie ging er das riesige Problem an, dem Drogenmissbrauch etwas entgegen zu setzen? - Seine überlegungen waren einfach, praktisch und deshalb geeignet, da und dort glimmende Feuer auszublasen und Brände zu verhindern. Alfred beobachtete die Verlagerung der traditionellen Autoritäten auf die von den Massenmedien überall populär gemachten neuen Helden wie Sportler und Künstler der Unterhaltungsbranche.
Ihnen hängte er das von ihm kreierte Sonnenrad als äusseres Zeichen um. Sie waren die neuen Vorbilder und sie sollten mit dem Sonnenrad demonstrieren, dass es auch ohne Drogen geht, ja sogar sehr gut, im gesunden, friedlichen Wettstreit einer Jugend, die mit dem Wohlstand zurecht kommen musste.
Am 6. Oktober 1971 entstand die Kaplan-Flury-Stiftung mit dem Zweck in folgender Formulierung: "Die Stiftung bezweckt die Förderung der Jugend und deren Schutz vor verderblichen Einflüssen, Erforschung der Probleme der Jugend und der Ursachen solcher Probleme sowie die Durchführung von Massnahmen zur Lösung der Probleme, insbesondere durch sinnvolle Gestaltung der Ausbildungs-, Arbeits- und Freizeit der Jugendlichen. Der Kreis der Destinatäre ist weder durch Bedingungen religiöser, rassischer, nationaler oder anderer in der Person gelegener Art beschränkt." Bis zu seinem Todestag identifizierte sich Alfred mit dem von ihm formulierten Stiftungszweck: er beobachtete und wurde zu einem von allen Experten geachteten Kenner der Drogenszene. Er forschte und publizierte die Bücher:
- Drogenprophylaxe: 1981
- Haschisch: 1983
- Kokain: 1985
Er hielt laufend Vorträge. Seine Kurse in Lehrwerkstätten grosser Betriebe waren Meisterwerke einer erfolgreichen Drogen-Prophylaxe.
Jahrelang war sein Vaterhaus das "Haus der offenen Türe", offen allen, die von Eltern, Erziehern oder Behörden nicht mehr verstanden wurden und die nur eine Zufluchtstätte des Verstehens kannten: Kaplan Flury.
Das langjährige Zusammenleben mit seinen Eltern liess Alfred die Probleme des Alters immer besser verstehen. In Jahre 1980 erschien sein Buch "ABC für Senioren". Es handelt sich um einen nützlichen Ratgeber, der vielen hilft, lebensfroh in die zweite Lebenshälfte zu gehen. Bald einmal war das Buch vergriffen und der Alfred Müller Verlag, Rüeschlikon, entschloss sich zu einer zweiten Auflage.
Versmass und Reime bereiteten Kaplan Flury keine Mühe. Mit lebensbejahenden und besinnlichen Gedichten erfreute er immer wieder seine Freunde und Bekannten. Hier diese Kostprobe aus seinem Manuskript zu einem Gedichtband:
Kaplan Flury verstarb am 6. April 1986 an den Folgen eines Magen/Darmleidens, das von ihm nicht ernst genug genommen wurde.
Begegnungen
- Bundeskanzler Helmut Kohl
- Walter Scheel, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
- Rolling Stones
- Udo Jürgens
- Max Greger
- Willy Millowitsch
- Hazy Osterwald
- Katja Ebstein
- Karel Gott
- Josephine Baker
- Peter Kraus
- Franz Beckenbauer
- Gerd Müller
- Jackie Stewart
- Reinhard Mey
- Bernhard Russi, Ski-Olympiasieger
- Marie-Theres Nadig, Ski-Olympiasiegerin
- Kardinal König, Wien
- Günter Grass
- Erich von Däniken





