Kaplan Alfred Flury:Der Bürger und Mensch

Hochgeachtete Mutter Flury, sehr geschätzte Trauerfamilie, sehr geehrte Trauergemeinde.
Kaplan Flury verlegte sein Tätigkeitsfeld im Jahre 1967 in sein Vaterhaus nach Wangen. Nebst seiner künstlerischen Tätigkeit wollte er sich hier der Jugendbetreuung und ganz speziell der Sorge um die Drogengefährdeten widmen. War das Drogenproblem für viele von uns damals noch neu, so zeigten uns bald einmal die Vorgänge im nahen "Hammer" in Olten auf, wie notwendig diese Sorge war.

Zu Beginn der 70er Jahre übernahm Kaplan Flury die priesterliche Betreuung der nahen Kapelle, die zur Beobachtungsstation Bethlehem gehörte. Waren die Gottesdienste vorerst nur von Kindern und deren Betreuerinnen der Schwesterngemeinschaft des Seraphischen Liebeswerkes besucht, so fand sich im Laufe der Jahre ein immer grösserer Kreis von Kirchgängern ein. Der Kaplan war nicht wenig stolz darauf, dass sein "Chappeli" fast Sonntag für Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Auch viele Taufen und Hochzeiten durfte er hier einsegnen. Mit der Aufhebung des Betriebs der Beobachtungsstation im Frühjahr 1984 übernahm ein Kapellenrat die Verantwortung für die Weiterführung der Gottesdienste. Im vergangenen August durfte der Sprechende am grossen Kapellenfest teilnehmen, das mit viel Liebe und Sorgfalt durchgeführt wurde. Kaplan Flurys Haus und die Kapelle waren für viele Menschen Orte, um Sorgen los zu werden. Daneben half er immer wieder in der Pfarrei aus und leitete seit einigen Jahren auch den Sonntagsgottesdienst im Alters- und Pflegeheim "Marienheim" mit viel Hingabe und Verständnis für unsere Betagten.

Der Kirchgemeinderat, der Kapellenrat und der für das Altersheim zuständige Gallusverein danken dem Verstorbenen für seinen unermüdlichen Einsatz bestens.

Kaplan Flury stellte seine reichen Talente künstlerischer Art bei verschiedenen Gelegenheiten der Dorfgemeinschaft und den Vereinen zur Verfügung, sei es, indem er seine Lieder vortrug, oder dass er mit seinen dichterischen Qualitäten aushalf, wenn etwas ins Versmass zu bringen war. Ein Höhepunkt für ihn, aber auch für viele Wangner, war die Uraufführung des von ihm verfassten und vertonten Wangnerliedes anlässlich des Dorfjubiläums anno 1976. Mit dem Refrain: "Wenn z'Wange blibsch hange, de weisch wo dehei bisch" wollte er uns wohl sagen, welchen Wert er der Verwurzelung in der Heimat, in der dörflichen Umwelt, beimass. Im Anschluss an das Dorffest war Kaplan Flury der Initiant zur Gründung des Brunnerhofvereins. "Ein neuer Verein, mit neutralem und überpolitischem Charakter nimmt sich des Platzes an und will mit einem kleinen Dorfmarkt, mit Ausstellungen und andern Veranstaltungen den Ort zu einem wertvollen Treffpunkt für die Einwohner machen", hiess es damals in der Einladung zur Gründungsversammlung. Er selbst half mit als erster Präsident, später dann als Betreuer der Kunstausstellungen, dass diese seine Idee verwirklicht werden konnte. Heute dürfen wir feststellen, dass aus der Idee eine gute Sache geworden ist.

Kaplan Flury hat unserem Dorf, seinem Wangen, eine reiche Ernte eingefahren.

Es bleibt uns noch zu danken: Dir, lieber Alfred, für Deine Freundschaft, für Deinen Einsatz für die Hilfsbedürftigen und Schwachen und für Deine Sorge für unser Dorf und seine Bewohner.
Ihnen, hochgeachtete Mutter Flury, sehr geschätzte Angehörige, entbiete ich im Namen der Bevölkerung, der verschiedensten Organisationen und der Behörde unsere aufrichtige Anteilnahme im grossen Leid.

R. Pfefferli,
Gemeindeammann